P - Q - Krebs von A - Z (Glossar)

P

Palliative Therapie
„Lindernde“ Tumortherapie, die auf Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität abzielt, somit auf Verminderung der Tumorsymptome, vgl. kurative Therapie.

Palliativstationen
Im Unterschied zur kurativ orientierten „normalen“ Krankenhausbehandlung sind Palliativstationen in Krankenhäusern darauf spezialisiert, ausschließlich symptom-orientiert zu behandeln. Ist die Heilung von einer bestimmten Erkrankung nicht mehr möglich, wird es sinnvoll und wichtig, die Auswirkungen der Erkrankung zu begrenzen, um das Leiden zu lindern. Hierdurch kann die Qualität des Lebens verbessert werden. Die Palliativmedizin hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, so dass sie vielen an Krebs erkrankten Patienten ein weitestgehend beschwerdefreies Leben über Jahre hinweg und auch in der letzten Lebenszeit ermöglicht.

Zu den Aufgaben der Palliativmedizin gehört es, Symptome wie Schwäche, Schmerzen, Luftnot, Übelkeit, aber auch Ängste und Depressionen so effektiv zu behandeln, dass der/die Betroffene weiter leben möchte bis zuletzt. Dieses schließt vielfältige psychosoziale Aspekte ein, wie die Organisation der weiteren ambulanten Hilfen, die Beratung und Betreuung von Angehörigen, aber auch die Beantwortung von Fragen nach der Zukunft, auch nach Sterben und Tod. Deshalb sind Palliativstationen immer interdisziplinär mit einem Team aus unterschiedlichen Berufsgruppen besetzt.

Text. Dr. Bernhard Greiling, Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft e.V.

Palpation
Untersuchungstechnik, bei der man mit Händen und Fingern die Körperoberfläche und die darunter liegenden Organe abtastet.

Pankreas
Bauchspeicheldrüse, liegt hinter dem Magen und produziert verschiedene Enzyme, die zur Verdauung notwendig sind.

Pap-Test
Technik zur Untersuchung krebsverdächtiger Zellen, von dem griechischamerikanischen Pathologen Georgion N. Papanicolaou (1883–1962) entwickelt:
von z. B. Gebärmuttermund oder Bronchien werden Zellen abgenommen und mikroskopisch untersucht.

Paramedizin
Alle Maßnahmen im Bereich der Medizin, die von der Schulmedizin nicht oder nur bedingt anerkannt werden, da ihre Erfolge mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht belegt werden können. Nur wenige Krankenkassen erstatten paramedizinische Behandlungen.

Pathogen
Krankheiten verursachend, krankmachend.

Patientenverfügung/ Vorsorgevollmacht/ Betreuungsverfügung
Die Patientenverfügung
Nach einem Unfall oder durch schwerwiegende Erkrankungen kann es dazu kommen, dass Patienten ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln und ihre Wünsche in Bezug auf zu ergreifende medizinische Maßnahmen nicht mehr äußern können. Durch eine Patientenverfügung kann für solch kritische Krankheitssituationen Vorsorge getroffen werden.
Beim Verfassen einer Patientenverfügung sollte darauf geachtet werden, so konkret wie möglich zu formulieren, welche Behandlungsmöglichkeiten bei einer aussichtlosen Erkrankung insbesondere in der letzten Lebensphase ergriffen werden sollen und welche nicht. Für den behandelnden Arzt sind diese Weisungen bindend. Eine genaue Beschreibung erfordert im Vorfeld eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben.

Die Vorsorgevollmacht
Es ist sinnvoll, die Patientenverfügung durch eine Vorsorgevollmacht zu ergänzen. Diese Vollmacht berechtigt eine Person des Vertrauens, die Angelegenheiten des Patienten zu vertreten und in unklaren Situationen für ihn zu entscheiden. Dabei muss der Bevollmächtigte die Interessen des Patienten gegenüber den Ärzten und dem Pflegepersonal vertreten und sich an den mutmaßlichen Willen halten. Daher ist es sinnvoll, wenn Patient und Bevollmächtigter schon im Vorfeld ausgiebig über Wünsche und Vorstellungen gesprochen haben.

Die Betreuungsverfügung
Falls das Vormundschaftsgericht die gesetzliche Betreuung eines Patienten für notwendig hält, kann es einen Betreuer einsetzen. In einer Betreuungsverfügung kann festgelegt werden, wer in solch einem Fall als Betreuer tätig werden soll.
Lassen Sie sich über die Tragweite und die korrekte Abfassung einer Vollmacht juristisch beraten. Es sind zahlreiche ausführliche Informationsbroschüren und –bücher zu diesem Thema erschienen, die dieses rechtlich schwierige Thema genauer erläutern und z.T. auch Formulierungshilfen liefern. Einige Beispiele finden Sie hier:

Broschürentipps:
Bundesministerium der Justiz: Leiden - Krankheit - Sterben: Wie bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin? (2004)

Bayerisches Staatsministerium der Justiz: Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter durch Vollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung (2004)

Literaturtipps:
Stephan Rixen, Siegfried Reinecke: Casebook Patientenverfügung (Berlin, 2004).
Matthias Winkler: Vorsorgeverfügungen (mit CD-ROM) (München, 2003).

Linktipps:
Christliche Patientenverfügung mit Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung - Handreichung und Formular der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland in Verbindung mit den weiteren Mitglieds- und Gastkirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland

Die Deutsche Hospiz-Stiftung zum Thema Medizinische Patientenanwaltschaft. Hier besonders interessant: der 12-Punkte-Check für Validität und Praktikabilität von Patientenverfügungen.

Patientenverfügung.de des Humanistischen Verbandes Deutschland

Das Bundesministerium für Justiz informiert auf ihrer Website über Betreuungsrecht, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Dort können Muster heruntergeladen werden.

Text: SHKG

Patiententelefon
Das Patienten-Telefon von Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung Schleswig-Holstein bietet Unterstützung bei Patientenfragen. Unter der Telefonnummer: 04551/803-308 erhalten Sie folgendes Angebot:

    • Unterstützung bei der Suche nach Ärzten und Kliniken mit bestimmten Leistungen in Schleswig-Holstein
    • Erläuterungen zu Krankheitsbildern
    • Fragen der Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Peripher
Außen, am Rande, im Umkreis.

Perniziöse Anämie
Eine besondere Form der Blutarmut aufgrund eines Vitamin B12-Mangels.

Phagozytose
Wichtiger Abwehrmechanismus des Körpers, bei dem Fremd- und Schadstoffe,
die in den Körper eingedrungen sind, von bestimmten Zellen einverleibt und durch Verdauung innerhalb der Zelle unschädlich gemacht werden.

Pharynx
Rachen.

Physisch
Körperlich.

Pi-Meson
Elementarteilchen, das vielleicht in der Zukunft bei der Strahlentherapie eingesetzt
wird.

Plasma
Der flüssige Bestandteil des Bluts, der nach der Entfernung der weißen und roten Blutkörperchen übrigbleibt.

Plasmazelle
Freie Zellen des Bindegewebes, des Knochenmarks und anderer Gewebe;
produziert Antikörper und Immunoglobin.

Plastische Chirurgie
Befasst sich im Rahmen der Brustrekonstruktion mit dem Wiederaufbau
der Brust, wobei der Aufbau mit körpereigenem Gewebe oder mit körperfremdem Material (Silikonimplantat) vorgenommen werden kann.

Plazebo
Scheinmedikament.

Poesie- und Bibliotherapie — die Heilkraft der Sprache
Beim Lesen und Schreiben begegnen wir uns selbst. Über alle Zeiten hinweg haben Menschen Trost und Hoffnung aus der Literatur geschöpft. Bereits in der Antike erkannten die Griechen auch einen Zusammenhang von Literatur und Gesundheit und betrachteten ihre Bibliotheken als „Orte der Seelenmedizin“.

Aber erst im 20. Jahrhundert wurde die Heilkraft der Sprache methodisch und gezielt eingesetzt. 1916 wurde der Begriff Bibliotherapie (Heilen durch Lesen) erstmals in Amerika geprägt. Anfang der 50er Jahre erweiterte der amerikanische Psychiater Leedy den bibliotherapeutischen Ansatz, indem er seine Patienten zum Schreiben von Gedichten oder kurzen Texten anregte. Wesentlich in der Poesietherapie (Heilen durch Schreiben) ist nicht das Geschriebene, sondern vielmehr der Prozess, der sich im Schreiben und Vorlesen eigener Texte vollzieht.

In Deutschland hat sich die Poesie- und Bibliotherapie als Zweig der Kunsttherapie entwickelt, wie sie insbesondere im Rahmen der Integrativen Therapie am Fritz-Perls-Institut (FPI) in Hückeswagen gelehrt wird. 1984 wurde auf Initiative des FPI die Deutsche Gesellschaft für Poesie- und Bibiliotherapie e.V. gegründet. Ziel der Gesellschaft ist es, die Grundlagen kreativer Prozesse in der therapeutischen Arbeit mit Texten weiter zu erforschen und Methoden für die Arbeit mit Einzelnen und Gruppen zu entwickeln und zu lehren.

Die Integrative Poesie- und Bibliotherapie ist eine Methode, die durch das Medium künstlerisch-gestaltender Sprache Prozesse seelischer Integration und persönlichen Wachstums in Gang setzt und unterstützt. In der Begegnung mit der Literatur oder dem selbst verfassten Text können Gefühle vertieft wahrgenommen werden und in neuer Weise berühren. Im poesietherapeutischen Schreiben kann zum Ausdruck kommen, was bisher so nicht zur Sprache kommen konnte. „Wer schreibt, kann sich selber lesen“, so hat Max Frisch es formuliert.

Poesie- und Bibliotherapie wird in verschiedenen Bereichen angewandt: Bei physischen und psychischen Erkrankungen, in der Sterbebegleitung, in Lebenskrisen, in der Erwachsenenbildung, zur Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung.

Text: Dipl. Soz.oec. Adelheid Liepelt
Dozentin für Kreatives Schreiben (IKS) und Poesie-/ Bibliotherapie (FPI)

Postoperativ
Nach einem chirurgischen Eingriff.

Präkanzeröse Veränderungen oder Schäden
Strukturelle Veränderungen eines Körpergewebes, die eindeutig abnormal
sind, aber noch nicht bösartig. Diese Veränderungen können später zu Krebs werden.

Präklinisch
Wissenschaftlich notwendige Untersuchungen eines Medikaments vor der Anwendung am Menschen (chemische Eigenschaften, Zellkultur, Tierversuch).

Prävention
Vorbeugung.

Primärtumor
Der zuerst entstandene Tumor. In der Regel spricht man von einem Primärtumor, wenn Metastasen vorhanden sind (Tochtergeschwülste).

Prognose
Voraussichtlicher Krankheitsverlauf; Abschätzung der Heilungschancen.

Progressive Muskelrelaxation
Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) ist die neben dem autogenen Training am weitesten verbreitete und am besten erforschte Entspannungsmethode neben dem Autogenen Training. Der Amerikaner Edmund Jacobson stellte die PMR 1929 erstmals vor. Man nennt sie neben Progressiver Muskelrelaxation auch Tiefenmuskelentspannung (TME), Progressive Relaxation (PR) oder nach dem Begründer Jacobson Training.

Grundlage für die Entwicklung der PMR waren die intensiven Forschungen Edmund Jacobsons zu den Funktionsweisen der Muskulatur. Er stellte dabei fest, dass Anspannung der Muskulatur häufig im Zusammenhang mit innerer Unruhe, Stress und Angst auftritt. Auch gibt es den umgekehrten Wirkungszusammenhang, beispielsweise wenn sich nach einer Massage nicht nur die Muskeln entspannter anfühlen, sondern man sich insgesamt ruhiger fühlt.

Nun ist aber nicht nur die Wechselwirkung zwischen mentalen Prozessen und der Muskulatur nachgewiesen, auch die Körpersysteme, die durch das Autonome Nervensystem gesteuert werden, können durch mentale Prozesse beeinflusst werden. So führt z.B. die intensive Vorstellung einer Furcht auslösenden Situation (z.B. einer giftigen Schlange) zu einer deutlichen Beschleunigung der Herzrate. Die Psyche nimmt also Einfluss auf den Körper, umgekehrt können körperliche Veränderungen auch Auswirkungen im psychischen Befinden zeigen.

Diese Wechselwirkung macht sich die PMR zu nutze. Durch das Training soll in zunehmender Weise eine Herabsetzung der Spannung der Willkürmuskulatur bewirkt werden, wodurch die psychische Entspannung hervorgerufen wird. Das trägt zu einem weiteren Absinken der Muskelspannung bei. Darüber hinaus soll auch die Körperwahrnehmung verbessert werden.

Das Grundprinzip des Trainings geht auf eine Beobachtung Jacobsons zurück, dass auf eine kurzzeitige Anspannung einer Muskelgruppe eine vertiefte Entspannung folgt. Das Grundprinzip lautet: Entspannung durch vorausgehende Anspannung. Der Entspannungsprozess kann dadurch unterstützt werden, dass man die Aufmerksamkeit möglichst genau auf den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung richtet.

Jacobson hat dieses Prinzip auf eine Vielzahl von Muskelgruppen angewendet. Aus Praktikabilitätsgründen wird das Training heute kaum noch in der ursprünglichen Form angewendet. Es gibt sehr viele Übungsabwandlungen, die sich vor allem durch die Anzahl der einbezogenen Muskelgruppen unterscheiden. Das Grundprinzip ist aber bis heute gleich geblieben.

Die Progressive Muskelrelaxation hat sich in vielen Bereichen als wirksam erwiesen. Dieses wurde durch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen wiederholt belegt. Besonders wirkungsvoll ist der Einsatz der Progressiven Muskelrelaxation bei der Behandlung des Bluthochdrucks und des Spannungskopfschmerzes. Auch mit dem Einsatz im Bereich der Behandlung von Angst- und Schmerzstörungen sowie bei Schlafstörungen in Kombination mit weiteren Behandlungselementen wurden positive Effekte erzielt. Die Anwendung ist ebenfalls zur generellen Entspannung und Erholung innerhalb der allgemeinen Gesundheitsvorsorge, zum Abbau von Stress sowie für die Leistungsförderung sinnvoll.

Text: Dipl.-Psych. Karin Dolan (Tumorzentrum Kiel)

Prophylaxe
Verhütung von und Vorbeugung gegen Krankheiten.

Prostata
Vorsteherdrüse, walnussgroße Drüse des männlichen Urogenitalsystems. Sie liegt unterhalb der Blase und umschließt den oberen Teil der Harnröhre. Sie sondert ein Sekret ab, das den Hauptbestandteil des Samenergusses bildet.

Proteine
Eiweiß, Gruppe von komplexen organischen Verbindungen, stellen den wichtigsten Bestand der aktiven Zellbestandteile.

Prothese
Künstlicher Ersatz für einen verloren gegangenen Teil des Körpers.

PSA-Wert
Prostata-spezifisches-Antigen. Es handelt sich um ein Eiweiß, das nur in der Prostata gebildet wird. Bei gutartigen sowie bösartigen Erkrankungen der Prostata kann der PSA-Wert erhöht sein. Die so genannte „Grauzone“ liegt zwischen 4 ng/ml und 10 ng/ml. Das bedeutet, dass man bei Werten, die in dieser Grauzone liegen, nicht entscheiden kann, ob es sich um eine gutartige oder eine bösartige Erkrankung der Prostata handelt. Der Befund muss dann weiter abgeklärt werden.

Psychisch
Seelisch.

Psychoonkologe
Gesetzlich noch nicht geschützter Begriff für Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen (Psychologen, Ärzte, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen u. a.), die sich auf diesem Gebiet weitergebildet haben und mit an Krebs erkrankten Menschen arbeiten.

Psychoonkologie
Der Begriff bezieht sich auf alle seelischen Faktoren, die mit einer Krebserkrankung zusammenhängen können.

Psychoonkologie
Seit gut 25 Jahren gibt es in Deutschland psychoonkologische Aktivitäten, seit 1988 ist die Psychoonkologie als offizielle Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie (PSO) in der Deutschen Krebsgesellschaft vertreten. Psychoonkologische Aktivitäten finden sich heute gleichermaßen an großen, in der Regel universitären Zentren als auch in Kliniken der Akutversorgung, in Rehabilitationskliniken sowie in Tumorzentren, daneben in Beratungsstellen.

Was ist Psychoonkologie?
Versuchen wir eine Definition voranzustellen:
Psychoonkologie versteht sich als die Lehre von den psychosozialen Begleitumständen einer Krebserkrankung. Sie ist ihrem Wesen nach interdisziplinär.
Psychosoziale Begleitumstände können vielfältig sein: Als wesentliche Stichworte sind zu nennen: Diagnoseschock, Copingverhalten, Lebensqualität, Ängste unterschiedlichster Art, Umgang mit diagnosespezifischen Symptomen, Partnerprobleme, soziale Probleme, Identitätsfragen, Körperbildveränderungen, veränderte Kommunikation, Umgang mit Tod und Sterben, Lebensintensität u. v. a. m.
Diese etwas willkürliche Begriffssammlung macht deutlich, dass Psychoonkologie ihrem Wesen nach nur interdisziplinär sein kann, d. h. berufsgruppenübergreifend wie fachübergreifend. Sie macht auch deutlich, dass die Tätigkeitsfelder der Psychoonkologie den gesamten Verlauf einer Krebserkrankung betreffen. Dazu kommen Aktivitäten in der Vorsorge, z. B. Raucherentwöhnung oder Burnout-Prophylaxe. Entsprechend ist die obige Definition zu erweitern:
Die Praxisfelder der Psychoonkologie sind die Prävention, die Akutbehandlung und die Nachsorge.
Festzuhalten bleibt, dass der überwiegende Teil psychoonkologischer Aktivität in der Akutbehandlung und in der Nachsorge angesiedelt ist.

Was "macht" die Psychoonkologie?
Die Anfänge der Psychoonkologie (1977 - 1980) waren von dem hochengagierten, aber aus heutiger Sicht wenig professionellen Bemühen gekennzeichnet, Tumorpatienten während der Akut- und Nachbehandlung medizinpsychologisch oder psychosomatisch zu unterstützen. Grundlage dieser Unterstützung war die supportive Therapie, wie sie als Form der stützenden Psychotherapie von Speidel und Freyberger 1977 beschrieben wurde. Heute, 25 Jahre später, lässt sich zusammenfassen:
Die Praxis der Psychoonkologie im direkten Umgang mit Patienten und/oder ihren Angehörigen umfasst Beratung, supportive Therapie, Kurz- und Langzeittherapie sowie Krisenintervention.
Ziel der psychoonkologischen Arbeit mit körperlich chronisch bzw. schwer Kranken im Rahmen der Gesamtbehandlung ist die Integration auch der psychosozialen Anteile des Krankheitsgeschehens in die Medizin. Die Betreuung muss an die persönlichen Vorstellungen der Patienten über Krankheit und Behandlung anknüpfen und sich in die individuelle Situation des Patienten zwischen Krankheit, Behandlung und psychosozialem Kontext einfügen.
Die Ziele der psychoonkologischen Arbeit sind:

  • Anleitung und Unterstützung bei dem Prozess der Krankheitsbewältigung (emotionale Entlastung, Stützung, Anleitung zur Um- bzw. Neuorientierung) mit dem Ziel, möglichst günstige Voraussetzungen für den Krankheitsverlauf zu schaffen.
  • Unterbrechung des Kreislaufs von Angst und innerer Verspannung, der sowohl Übelkeit und Erbrechen als auch Schmerzempfindung verstärken kann (Reduzierung von Stress und Förderung der Einsicht in körperliche Abläufe und Zusammenhänge).
  • Angebot einer stützenden therapeutischen Beziehung, orientiert an den Erfordernissen von Krankheitsverlauf und medizinischer Behandlung.
  • Bearbeitung von zwischenmenschlichen bzw. intrapsychischen Konflikten auf der Basis einer verlässlichen therapeutischen Beziehung unter Anwendung psychotherapeutischer Methoden.

Diese Ziele psychoonkologischer Betreuung sind verknüpft mit entsprechenden Indikationsstellungen. Hier ist festzuhalten, dass die primäre Indikation in der Regel nicht von Psychologen, sondern von Schwestern und Pflegern gestellt wird. Hier lassen sich Hinweise zur Indikation zusammenfassen.
Hinweise für eine Indikation zur psychoonkologischen Betreuung ergeben sich für Patienten, die:

  • lang anhaltend depressive Symptome zeigen,
  • starke Angstsymptome haben,
  • nicht beherrschbare Schmerzen haben,
  • unter starken Aggressionen stehen,
  • Konflikte mit der Familie bzw. dem Behandlungsteam haben,
  • eine psychiatrische Krankengeschichte oder erkennbare Persönlichkeitsstörungen haben,
  • in sozial schwierigen Situationen stehen,
  • die besonders schwer betroffen sind (Diagnose, Prognose, Therapie)
  • verändertes oder ungewöhnliches Verhalten zeigen,
  • Suizidgedanken haben oder andere Personen bedrohen,
  • sexuelle Probleme bzw. Schwierigkeiten äußern oder befürchten,
  • unentschieden / ablehnend sind oder Zweifel an der Behandlung äußern.

In den meisten Fällen wirken mehrere Faktoren zusammen, so dass Belastungen kumulieren und sich gegenseitig verstärken.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass die Indikation nicht immer vom Patienten selbst (Wunsch nach Betreuung/Unterstützung) gestellt wird. Obwohl der Anteil derjenigen Patienten, die eine solche Betreuung ausdrücklich begrüßen und als Qualitätsmerkmal einer eher ganzheitlichen Behandlung ansehen, auf derzeit ca. 25 % im Akutbereich angestiegen ist, so ist doch der Mehrzahl der Patienten eine solche Möglichkeit nicht bekannt. Hier haben die Pflegekräfte eine wichtige Brückenfunktion.

Formen psychoonkologischer Versorgung
Nach den Indikationen ist auf die verschiedenen Formen psychoonkologischer Versorgung einzugehen. Dabei muss betont werden, dass es gerade in diesem Bereich starke kulturelle Unterschiede gibt: Während z. B. im nordamerikanischen Sprachraum Gruppentherapien eine wichtige Rolle spielen, stellt diese Form der psychoonkologischen Versorgung in Deutschland noch eher eine Ausnahme dar. Hier überwiegen nicht nur in der (medizinischen) Akutbehandlung einzeltherapeutische Ansätze. Es ist allerdings anzunehmen, dass sich z. B. so genannte "psychoeducational groups", wie sie von Fawzy et al (1993) beschrieben wurden (sehr verkürzt: Patienten erhalten nach Abschluss der primären Akutbehandlung in der Gruppe ein strukturiertes Programm zum kognitiven wie emotionalen Umgang mit der Erkrankung) in Deutschland auch unter Kostenaspekten mehr durchsetzen werden.
Derzeit überwiegen einzeltherapeutische Ansätze, entweder in der Form konsiliarischer Betreuung (Psychiater bei entsprechender Vorgeschichte oder psychotischer Dekompensation des Patienten, Psychosomatiker bei psychosomatischen Nebenerkrankungen oder spezifischen Ängsten zur psychosomatischen Tumorgenese, Medizinpsychologe bei Wunsch nach psychologischer Betreuung vor, während oder nach der medizinischen Behandlung) oder in Form eines Liaisondienstes (fester den jeweiligen Stationen zugeordneter psychologischer Mitarbeiter).
Psychoonkologische Aspekte sind heute fester Bestandteil der Krebsbehandlung, wobei die institutionelle Umsetzung (= feste Stellen hierfür) regional sehr unterschiedlich ist.

Linktipp:
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (dapo)
Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie (PSO) in der Deutschen Krebsgesellschaft

Text:
PD Dr. Thomas Küchler, Referenzzentrum Lebensqualität in der Onkologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Psychosomatik
Diese Fachrichtung beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen seelischen Vorgängen und körperlichen Funktionen.

Punktion
Einstich einer Hohlnadel zur Entnahme von Körperflüssigkeit oder Gewebe
(Biopsie, Feinnadelbiopsie). Die Punktion kann unter Ultraschall
(Sonographie) oder Röntgenkontrolle erfolgen.

Q

Quadrantektomie
Operation, bei der nur der Teil (eigentlich das „Viertel“, der Quadrant) der Brust entfernt wird, in dem der Tumor sitzt. Darüber hinaus werden die Lymphknoten im Bereich der Achselhöhle entfernt.

Krebs von A - Z (Glossar)



Navigation Online spenden