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Was Wir Vom Deutschen Krebskongress Mitnehmen

„Wir behandeln nicht Krebs, sondern Patienten, die an Krebs erkrankt sind.“

Die Fakten sprechen für sich: Vier Tage lang – vom 19. bis 22. Februar 2020 – diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Ärzteschaft, Gesundheitswesen sowie Politik und Verwaltung, Studierende und Pflegekräfte in rund 300 Sitzungen über die neuesten Erkenntnisse in der Krebsmedizin. Mehr als 11.000 Teilnehmer*innen waren dabei.

Die Patienten im Blick

„Wir behandeln nicht Krebs, sondern Patienten, die an Krebs erkrankt sind.“ Diese Worte aus der Eröffnungsveranstaltung des Kongresses gaben einen klaren Ausblick auf die Ausrichtung des wichtigsten deutschsprachigen onkologischen Fachkongresses. Von einem deutlich spürbaren Fokus auf die Betroffenen selbst spricht auch Prof. Dr. Frank Gieseler, Vorstandsvorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft. Nicht nur stand der Kongress-Samstag komplett Krebsbetroffenen und Ihren Angehörigen offen, auch das gesamte Vortragsprogramm hatte viel Raum für Fragen zur besseren, lückenloseren Versorgung von Krebsbetroffenen und auch den Angehörigen. In seinem Vortrag stellte Gieseler den aktuellen Stand der Forschung zu dem Vorreiter-Projekt aus Schleswig-Holstein, vom UKSH Lübeck vor, in dem untersucht wird, wie die Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten messbar gemacht werden kann. Das sogenannte patient reported outcome measurement (PROM) soll in Zukunft helfen, das Therapieziel noch besser an die Krebsbetroffenen anzupassen, um ihnen trotz der Krankheit – individuell angepasst – eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen.

Antworten interdisziplinär gedacht

„Der DKK 2020 hat es erneut möglich gemacht, dass wir uns in den unterschiedlichsten Berufsgruppen intensiv über die onkologischen Themen austauschen, diskutieren und gegenseitig inspirieren konnten,“ berichtet Katharina Papke, Geschäftsführerin der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft, zufrieden. Neben den vielen medizinischen Fachvorträgen zu Tumorchirurgie, neuen Therapieansätzen und verbesserter Diagnostik, fanden auch Berichte aus der Praxis ihren Platz im Programm. „In diesem Jahr ist mir ganz besonders die umfangreiche Behandlung der Präventionsthemen aufgefallen: ob Tabakprävention, Verhaltensprävention bei UV Exposition, HPV-Impfprogramme oder allgemeine Ergebnisse zu primären Präventionsprogrammen. Die Krebsprävention bleibt und wird vermehrt Thema bei den Landeskrebsgesellschaften sein, über die wir verstärkt aufklären werden,“ so Katharina Papke.

Immerhin ein Drittel aller Krebserkrankungen ist durch Faktoren des Lebensstils (Tabak-, Alkoholkonsum, Ernährung, etc.) verursacht und könnte verhindert werden. Einen deutlichen Impuls für die Ausrichtung der Präventionsangebote der Krebsgesellschaften gab auch die traurige Erkenntnis, dass soziale Ungleichheit auch gesundheitliche Ungleichheit bedeutet und sozial schwächer gestellte Menschen immer noch ein höheres Risiko besitzen, an Krebs zu erkranken. Einige Gründe: statistisch gesehen rauchen sie beispielsweise häufiger, sind auch am Arbeitsplatz und Wohnort häufiger Umweltgiften ausgesetzt und gehen seltener zu Vorsorgeuntersuchungen. Auch wurde die wichtige Rolle der Beratung hervorgehoben und darüber diskutiert, wie eine bessere Versorgung mit Beratungsangeboten durch alle sozialen Schichten hindurch gelingen kann, bei der auch immer die An- und Zugehörigen mitberücksichtigt werden.

Digital und analog

Mess-Chips unter der Haut, die Patientendaten direkt an Ärzte übermitteln, künstliche Intelligenz in der Tumordiagnostik, OP-Roboter: die Liste an digitalen Themen in der Onkologie ist lang. Auch im Umgang mit der Krankheit unterstützen mehr und mehr Angebote die Krebsbetroffenen auch online. Petra Köster, Mitarbeiterin des Krebsberatungszentrums in Brunsbüttel entdeckte auf dem Kongress das Online-Angebot der German Cancer Survivors. Dort vermitteln ansprechende Videoclips beispielsweise Möglichkeiten, wie man als betroffene Person mit der Nachricht einer Krebsdiagnose umgehen kann, aber auch wie man als Partner, Familie oder Arbeitgeber Unterstützung anbieten kann. Der Brückenschlag zur analogen Welt gelingt, indem die Besucherinnen und Besucher der Website auf kostenfreie Beratungsangebote in ganz Deutschland hingewiesen werden.

Ein ganz analoges Problem, das zwischen 58% und 90% der Krebsbetroffenen nach einer Therapie quält – das Erschöpfungssyndrom Fatigue – wurde im Vortragsprogramm ebenfalls sehr häufig berücksichtigt – sehr zur Freude der Psychotherapeutin Karin Lausmann. Bahnbrechende neue Erkenntnisse zur Bewältigung der Fatigue konnten auf dem Kongress leider nicht verkündet werden, allerdings sei es erfreulich, dass das Thema immer mehr Beachtung findet und sich sicher sein zu können, dass die eigenen Beratungs- und Workshop-Angebote zur Fatigue bei der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft auf dem aktuellsten Stand sind.

 

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